Was kostet eine Eventmusikerin?

Was? 600€ für 5 Lieder? Das sind ja mehr als 100€ für ein Musikstück! – Ja, das höre ich oft und ich kann‘s verstehen! Das ist eine Menge Geld und Events sind ohnehin schon immer sehr kostspielig. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass transparente Kommunikation ganz viele Missverständnisse beseitigen und Fragen klären kann. Und deshalb erkläre ich dir heute, wie solche Preise bei professionellen Musiker:innen zustande kommen.

1.) Probenaufwand

Das ist vielleicht der offensichtlichste Faktor: Ich investiere je nach Musikstück einiges an Vorbereitungszeit: Ich muss erst einmal die Stücke heraussuchen und die Noten passend arrangieren. Häufig gibt es zum Beispiel bei Popsongs oder Filmmusik gar keine Cellostimme im Original, also darf ich selbst kreativ werden (diesen Teil mag ich besonders 😉 ). Und wenn ich dann die Noten vorbereitet habe, muss ich natürlich auch üben, damit alles fehlerfrei über die Bühne geht. Häufig spiele ich auch mit selbst eingespielten Klavier-Playback. Dann gilt es auch das zu üben, aufzunehmen, zu schneiden und zu digitalisieren. Wenn ich im Duo oder mit Band auftrete muss ich natürlich auch für diese Proben extra Zeit einplanen – da kommt schon immer einiges zusammen.

2.) Exklusivität

Egal, ob Hochzeit, Trauerfeier, Weihnachtsfeier oder Gartenparty: Du buchst mich über einen längeren Zeitraum exklusiv. Ich werde in der Zeit keine andere Aufgabe erledigen können und gerade an Samstagen in der Hochsaison (zwischen Mai bis September oder vor Weihnachten) bedeutet eine Zusage an dich auch oft mehrere Absagen an andere Kund:innen. Und natürlich bin ich nicht nur für die Veranstaltung selbst vor Ort, sondern habe Anreise, Aufbau, Soundcheck, (Puffer!) das Event selbst, Abbau und Heimreise. Nicht selten bedeutet also zum Beispiel eine freie Trauung mit Sektempfang einen vollen Samstag von 10-16h und diesen kann ich im Normalfall mit keinem anderen Auftrag kombinieren.

3.) Kommunikation

Mit dir als Veranstalter:in und meinen potentiellen Mitmusiker:innen muss ich immer wieder jede Menge Absprachen treffen: Kennenlernen, Songauswahl, Ablaufabsprachen und Kleinigkeiten, die sich summieren wie beispielsweise Parken vor Ort, Farbkonzept bei Hochzeiten, Witterungsschutz im Freien und und und…Auch das ist natürlich Arbeitszeit.

4.) Steuern, Abgaben, Equipment

Und zuletzt ein ganz oft unterschätzter Punkt: Professionelle Musikerinnen haben teures Equipment (ein solides Cello kostet zum Beispiel mindestens 5.000€), Technik, oft jahrelange Ausgaben im Voraus durch Unterricht nehmen und Studieren und natürlich reguläre Abgaben wie Steuern, Versicherungen und die Künstlersozialkasse. Das alles muss mit berechnet werden und die regelmäßigen Ausgaben für Kabel, Reparaturen, neue Saiten und vieles mehr kommen auch ständig dazu und müssen daher mit einkalkuliert sein.

Nun möchte ich noch eine kurze Stellungnahme zu dem freien Musikmarkt da draußen machen. Denn warum solltest du nun eine professionelle Musikerin buchen und nicht für 1/3 des Preises irgendjemanden der/die auch „ganz gut spielen“ kann?

Die Berufsbezeichnung „Musiker:in“ ist nicht geschützt und somit kann sich jede:r so nennen und mit Events neben- oder hauptberuflich Geld verdienen. Grundsätzlich finde ich das auch gut und richtig, da gerade Kunst nicht durch ein Studium seine Daseinsberechtigung hat, sondern im Gegenteil: Ich kenne wirklich viele gute Musiker:innen, die einfach ihr Leben lang Musik machen, ohne das zu professionalisieren – und das machen sie richtig gut und mit viel Herzblut! Weshalb du dir aber trotzdem zweimal überlegen solltest, ob du jemanden engagierst, der/die Musik studiert hat und hauptberuflich davon lebt oder nicht, hat meiner Meinung nach folgenden Hauptgrund:

Am Ende geht es darum, dass du tolle und einzigartige Musik auf deinem Event haben möchtest. Das ist aber um ganz ehrlich zu sein für eine Musikerin, die ihr Leben lang schon quasi täglich Musik macht schlussendlich nicht das Aufwändige und bedarf auch nicht unbedingt eines Musikstudiums. Das was du dir überlegen solltest ist das Drumherum: Eine hauptberuflich selbstständig arbeitende Musikerin hat viel Erfahrung mit Events und kann dir daher ganz praktische Ratschläge und Tipps geben: Welche Abläufe haben sich bewährt? Wie lange sollten einzelne Stücke gehen? Welche Musik klingt in der gewünschten Besetzung wirklich gut und welche Songs eignen sich vielleicht doch nicht so besonders? Wie viel Zeit solltest du für welchen Programmpunkt einplanen? Und nicht zuletzt wird sie dir alles Formelle wie Steuern, Abgaben, GEMA und co. im Normalfall beantworten und/oder abnehmen können, da man als selbstständige Musikerin sowieso nonstop in dieser Buchhaltungsthematik drinsteckt.

Daher buchst du bei einer guten Musikerin nicht nur schöne Musik, sondern das „Rundum-Sorglos-Paket“, wodurch du dich nur auf die schönen Teile – nämlich Musik auswählen und dein Event genießen – konzentrieren kannst und sie dir durch ihre Erfahrungswerte bei allem was dazu gehört die Eventplanung erleichtern wird. Und das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund, warum du nicht „irgendjemanden“ für deine Hochzeit, Trauerfeier oder Party engagieren solltest. Such dir eine Musikerin, die weiß, was sie tut und die mit professionellen Rahmenbedingungen wie beispielsweise Auftrittsverträgen arbeitet. Das erspart dir jede Menge Nerven – versprochen – und du weißt, dass die Person nicht zum ersten Mal ein Event begleitet. Das gibt dir Sicherheit und du kannst dich dann, wenn es wirklich drauf ankommt, einfach auf dein Event freuen und darauf verlassen, dass es gut wird.

Ja, ich liebe meinen Job sehr! Es bereitet mir unglaublich viel Freude, Menschen durch meine Livemusik eine ganz besondere und individuelle Stimmung zu schenken und ich weiß, dass ich damit in vielerlei Hinsicht einen sehr gesegneten Alltag habe – einfach, weil ich den Großteil davon wirklich lieben darf. Aber ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Mini-Blog einen kurzen Blick hinter die Kulissen ermöglichen und dich ermutigen, wirklich professionelle Musiker:innen zu buchen, die wissen was sie tun und wie sie (legal) davon leben können. 😊